Wofür Claude im Maklerbüro taugt: Objektunterlagen lesen, Exposés mit Fundstelle entwerfen, Interessentenfragen vorbereiten. Und wo es nichts verloren hat.
01 Kurz gesagt
Claude ist das Modell, das wir einsetzen, wenn ein langes Dokument gelesen werden muss und jede Aussage daraus belegbar sein soll. Im Maklerbüro sind das die Objektunterlagen: Reglemente, Protokolle, Mietverträge, Grundbuchauszüge. Claude liest sie und bereitet vor, was daraus ins Exposé und in die Antwort an Interessenten gehört. Den Preis, die Einschätzung des Objekts und das Gespräch übernimmt es nicht.
02 Warum gerade die Unterlagen
Ein Exposé ist schnell geschrieben. Langsam wird es, wenn die Fakten stimmen müssen. Die stecken in Unterlagen, die niemand gern von vorn bis hinten liest: das Reglement der Stockwerkeigentümergemeinschaft, die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen, der Stand des Erneuerungsfonds, bei Renditeobjekten der Mieterspiegel und die Mietverträge. In Deutschland heissen die Gegenstücke Teilungserklärung, Gemeinschaftsordnung und Hausgeld-Abrechnung. Wer sie nicht gelesen hat, erfährt vom Käufer, was drinsteht.
Für diese Art Arbeit, viele Seiten und eine Antwort mit Verweis auf die Stelle, setzen wir Claude ein. Warum dieses Modell und nicht ein anderes, steht im Vergleich von Claude, ChatGPT, Copilot und Mistral.
03 Aufgabe 1: die Objektunterlagen auswerten
Claude liest die Unterlagen eines Objekts und zieht heraus, was für den Verkauf zählt: beschlossene oder angekündigte Sanierungen, Sonderumlagen, Nutzungsbeschränkungen, Regeln zu Haustieren oder Vermietung, offene Streitpunkte aus den Protokollen. Jeder Punkt kommt mit Dokument und Seite. Aus Protokollen mehrerer Jahre wird so eine Seite, die sagt, was ein Käufer fragen wird und wo die Antwort steht.
Die Grenze: Claude liest, was in den Unterlagen steht. Was nicht protokolliert wurde, weiss es nicht, und dass eine Versammlung etwas nur besprochen und nicht beschlossen hat, muss ein Mensch im Zweifel nachlesen.
04 Aufgabe 2: das Exposé entwerfen, jede Aussage mit Quelle
Aus den Objektdaten im CRM und den ausgewerteten Unterlagen entwirft Claude den Exposé-Text. Die Regel, die wir dafür setzen: Jede Tatsache im Entwurf braucht eine Quelle, sei es ein Feld im CRM oder eine Seite in einem Dokument. Baujahr, Flächen, Heizung und Erneuerungsfonds kommen aus den Unterlagen, nicht aus der Formulierungslust eines Modells. Was keine Quelle hat, markiert der Entwurf als offen.
Die Grenze: Die Lage beschreibt, wer sie kennt. Ein Sprachmodell, das „ruhige Lage“ schreibt, weil es gut klingt, schreibt Werbung, keine Tatsache. Lage, Ton und Freigabe bleiben beim Makler.
05 Aufgabe 3: Interessentenfragen vorbereiten
Nach der Besichtigung kommen Fragen: Darf man einen Hund halten? Was ist mit der Fassade geplant? Wie hoch ist der Erneuerungsfonds? Claude sucht die Antwort in den Unterlagen des Objekts und entwirft sie mit der Fundstelle. Der Makler prüft, ergänzt und schickt. So beantwortet man die zehnte Frage zum selben Objekt nicht zum zehnten Mal aus dem Gedächtnis.
Die Grenze: Rechtlich heikle Fragen, etwa zur Auslegung eines Reglements, beantwortet der Entwurf nicht, er zeigt die Stelle. Die Antwort gibt ein Mensch, der dafür geradesteht.
06 Aufgabe 4: Suchwünsche in Kriterien übersetzen
Interessenten beschreiben, was sie suchen, selten in den Feldern des CRM. „Ruhig, nicht zu weit vom Bahnhof, Platz fürs Homeoffice“ steht in einer Mail. Claude übersetzt solche Sätze in Kriterien, die das CRM kennt, und markiert, was sich nicht übersetzen lässt.
Das eigentliche Matching, also neue Objekte gegen gespeicherte Suchprofile abzugleichen, ist keine Aufgabe für ein Sprachmodell. Es ist gewöhnliche, prüfbare Logik im Workflow. Claude sitzt nur an der einen Stelle, an der Freitext zu Daten werden muss.
07 Wo Claude im Maklerbüro nichts verloren hat
Beim Preis. Claude kennt Ihren Markt nicht, hat keine Vergleichsobjekte und keine Transaktionsdaten. Eine Preiseinschätzung aus einem Sprachmodell ist eine gut formulierte Vermutung. Bewertung bleibt beim Makler oder beim Schätzer.
Bei Flächen aus dem Grundriss. Flächen kommen aus der Flächenberechnung oder den Unterlagen. Sie aus einem Plan abzulesen, trauen wir keinem Sprachmodell zu.
Bei Fotos und Bildbearbeitung. Claude kann ein Bild beschreiben, aber es bearbeitet keine Objektfotos und inszeniert keine Räume.
Bei schlecht gescannten Unterlagen. Ein Grundbuchauszug als schiefes Handyfoto muss zuerst durch eine Texterkennung. Dafür setzen wir die OCR von Mistral ein, Claude liest danach den Text.
Beim CRM und den Portalen. Claude allein legt keinen Kontakt an und veröffentlicht kein Inserat. Das erledigt der Workflow, der Claude für den einen Leseschritt aufruft.
08 Datenstandort und Personendaten
Im Maklerbüro gehen Personendaten durch jedes Dokument: Namen im Grundbuchauszug, Mieter im Mieterspiegel, Interessenten in jeder Anfrage. Für das Exposé braucht Claude davon fast nichts. Deshalb ersetzen wir Namen und Adressen vor dem Aufruf, wo die Aufgabe sie nicht braucht, und geben nur die Dokumente hinein, die für die Frage nötig sind.
Anthropic ist ein US-Anbieter. Wir betreiben Claude in einer europäischen Region, der Sitz des Anbieters bleibt trotzdem in den USA. Was das rechtlich heisst, steht in US-Anbieter und Datenstandort, was das Schweizer DSG verlangt, in KI unter Schweizer Datenschutzrecht einsetzen.
Nach den kommerziellen Bedingungen von Anthropic, die für die API sowie für Team- und Enterprise-Konten gelten, werden Eingaben nicht zum Training verwendet. Für private Konten gelten die Verbraucherbedingungen, dort entscheidet eine Einstellung im Konto darüber. Wer im Team Eigentümerunterlagen in ein privates Claude-Konto lädt, hat diese Frage für Ihr Büro entschieden, ohne dass es jemand wusste.
09 Was der Betrieb voraussetzt
- Unterlagen digital und an einem Ort. Pro Objekt ein Ordner oder ein Dossier im CRM, in dem Reglement, Protokolle und Pläne liegen. Was im Bundesordner im Regal steht, liest kein Modell.
- Ein Geschäftskonto oder die API, keine privaten Konten. Für einzelne Objekte reicht ein Team-Konto im Browser. Soll jedes neue Objekt automatisch ausgewertet werden, läuft Claude über die Schnittstelle in einem Workflow.
- Ein CRM mit Schnittstelle, damit Entwürfe dort landen, wo der Makler sie prüft. Welche Maklersoftware wir anbinden, steht auf KI für Immobilienmakler.
- Ein Freigabeschritt. Kein Exposé und keine Antwort geht ohne Blick eines Menschen hinaus.
- Eine Regel für das Team, welche Werkzeuge mit Kundendaten benutzt werden dürfen. Eine Vorlage steht in Was in eine interne KI-Richtlinie gehört.
10 Wie das in einem Workflow aussieht
Ein neues Objekt wird im CRM angelegt, die Unterlagen landen im Dossier. Der Workflow gibt sie an Claude, legt die Auswertung mit Fundstellen zurück ins Dossier und erzeugt den Exposé-Entwurf. Der Makler bekommt eine Nachricht, prüft, korrigiert und gibt frei. Claude ist darin ein Schritt von mehreren, der Rest ist Logik, die man nachprüfen kann. Womit wir solche Abläufe bauen, steht in Was ist n8n, wie der erste davon entsteht, in Wie ein erster Workflow in vier Wochen entsteht.
11 Was beim Makler bleibt
Der Preis, das Gespräch, die Besichtigung und die Entscheidung, wem Sie ein Objekt zeigen. Claude liest schneller, der Makler weiss mehr.
12 Häufige Fragen
Kann Claude ein Exposé ganz allein schreiben?
Schreiben kann es. Wir lassen es nicht allein veröffentlichen, weil ein Exposé Tatsachen behauptet, für die der Makler haftet. Der Entwurf kommt mit Quellen, die Freigabe kommt vom Menschen.
Reicht nicht ChatGPT dafür?
Für Korrespondenz und kurze Texte ist ChatGPT unser Weg. Sobald eine Antwort aus hundert Seiten Unterlagen stammen und die Stelle nennen soll, setzen wir Claude ein. Der Vergleich der vier Modelle zeigt die Arbeitsteilung.
Werden unsere Objektdaten zum Training verwendet?
Bei der API und bei Team- oder Enterprise-Konten nach den Bedingungen von Anthropic nicht. Bei privaten Konten hängt es von einer Einstellung ab. Deshalb gehören Kundendaten nicht in private Konten.
Arbeitet das mit unserer Maklersoftware?
Claude selbst verbindet sich mit keiner Maklersoftware. Der Workflow darum herum tut es, sofern Ihre Software eine Schnittstelle hat.
Quellen
- Anthropic: Commercial Terms of Service
- Anthropic Privacy Center: Is my data used for model training?
- Anthropic: Updates to Consumer Terms and Privacy Policy